Emotionale Erschöpfung

Sie kommt nicht von heute auf morgen. Sie ist unterbrochen von Phasen der Hoffnung, der Motivation und des Mobilisierens aller verfügbaren Kräfte. 

 

Aber irgendwann ist es da: Das Gefühl, alles gegeben und nichts gewonnen zu haben. Das Gefühl, nichts dauerhaft Wirksames zu erreichen. Hilflosigkeit, Ohnmacht ... und ein Ziel, das in sich zusammenbricht.

 

Was bleibt sind Ehrlichkeit und Annahme - Qualitäten, die Menschen wachsen lassen! 


"Emotionale Erschöpfung entsteht im Dienst am Menschen"  heißt es oft. Manchmal auch im "Dienst eines inneres Programmes", das uns unsere eigenen Grenzen überschreiten lässt ...


Ob beruflich oder privat. Woran liegt es, wenn wir uns verausgaben, weil wir keine Grenzen setzen (können)?

Weil wir uns für alles verantwortlich fühlen?

Weil wir anderen nicht zutrauen, es auch gut zu machen?
Weil wir niemandem um Hilfe bitten?

Weil wir etwas nicht akzeptieren können?

Weil wir Schuldgefühle haben?

Weil wir glauben, uns Liebe verdienen zu müssen?

Weil wir unseren Selbstwert daraus beziehen?

Weil wir Anerkennung mit Liebe verwechseln?

Weil wir nichts anderes kennen?

 

Auf emotionale Erschöpfung kann körperliche Erschöpfung folgen. Wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse ignorieren, dreht sich das Rad weiter. Es kommt zu Rückzug, Resignation und Verhaltensveränderungen. 

 

Psychosomatische Beschwerden, chronische Muskelverspannungen, Schlafstörungen, Ängste, Grübelzwang -  eine ganze Liste von Symptomen können entstehen. 


Schlimmstenfalls geraten wir in eine seelisch-körperliche Erschöpfungsspirale und spüren unsere Bedürfnisse überhaupt nicht mehr. 

Die Welt verliert an Farbe

Wir können zu jedem Zeitpunkt aussteigen - immer dann, wenn wir erkennen, dass wir an einem Anspruch an uns selbst festhalten, der unsere Kräfte überfordert. Und vielleicht auch, dass es gerade keine bessere Vorgehensweise braucht, sondern einen Wechsel der Perspektive. 

 

Es kann helfen, zurückzutreten und unser Wirken aus Abstand betrachten - wie einen Film.

 

"Und täglich grüßt das Murmeltier"

Vielleicht kennst Du diese Filmkomödie aus dem Jahr 1993? Der Protagonist, Phil Connors, erlebt einen einzigen Tag seines Lebens wieder und wieder und wieder ...

Frustriert erwacht er jeden Morgen von Neuem an genau demselben Tag. Einem Tag, von dem er sich wünscht, dass er schnell vorübergehen werde. Denn er hat eine Routine zu erfüllen, die ihm lästig geworden ist. Und doch geschieht das Gegenteil: er erlebt diesen Tag - gefangen in einer Zeitschleife - in quälender Gleichförmigkeit, ungeachtet seiner Versuche, den Ablauf zu verändern und das Rad der Zeit wieder ins Laufen zu bringen. 

 

Bis zu dem Tag, an dem er mit einem Lächeln erwacht. Nicht mehr das Ziel steht im Vordergrund, sondern die Annahme dessen, was ist. Das ist der Moment, in dem sein Leben wieder Zauber bekommt. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist das Datum auf dem Wecker um einen Tag nach vorne gerückt. Und es beginnt ein Tag, an dem die Welt andere Farben hat als zuvor.

 

Das beschreibt für mich das eigentliche Phänomen hinter der emotionalen Erschöpfung.

Es gibt etwas, das uns dazu führt, auf unsere ganz persönliche Weise zu kämpfen. Oft ist es etwas sehr Altes, das uns daran hindert, andere Sichtweisen wahrzunehmen. Irgendwann - wenn alles getan und wenig (Bleibendes) erreicht wurde, kommt das Gefühl der Erschöpfung.

 

An diesem Punkt (gerne auch vorher) wirklich ehrlich mit sich selbst zu sein, kann vieles verändern. Im Innen, aber oft auch im Außen. Denn solange wir an unserem Anteil festhalten, halten wir auch Situationen fest. 

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